Philosophie

Emotionen

09. September 2025

Die gängige Annahme ist, dass Emotionen nicht mit Logik zu ergründen sind. Manche Menschen sind und handeln eben emotionaler und andere rationaler. Manche hören mehr auf ihr Bauchgefühl, während andere mehr mit ihrem Kopf arbeiten. Diese Annahme ist schlichtweg falsch. Die Welt und die Natur können logisch verstanden werden, menschliche Emotionen bilden keine Ausnahme. Die Vorstellung ist allerdings psychologisch angenehm für viele, da die eigene innere Welt nicht tiefer ergründet werden muss, wenn dies unmöglich wäre. Es kann einfach im mentalen Chaos und Hedonismus verblieben werden, ohne jemals den Ursprung der eigenen Intentionen, Taten und Gefühle auf den Grund zu gehen.

Emotionen sind nicht notwendigerweise primär. Unterschiedliche Menschen empfinden unterschiedliche Emotionen beim Anblick des selben Umstands. Die eigenen Ideen und Vorstellungen, die eigenen Werte und die persönliche Moral bestimmen zum Großteil die empfundenen Emotionen. Wie hoch der beeinflussbare Teil der Emotionen ist, lässt sich schwer sagen.

Es mag für einige zwar offensichtlich klingen, doch Emotionen sind das Result von physischen Prozessen im Körper. Welche Form diese Prozesse genau annehmen und wie sehr wir sie verstehen, spielt dabei keine Rolle. Der Mensch ist weitaus komplexer als Anatomie und Biochemie, dein Körper erzeugt Licht und elektromagnetische Felder. Dein Verstand ist mehr, als simples feuern von Neuronen. Depression und mentale Krankheiten haben sehr häufig physische Ursachen. Deine Gefühlswelt wird dereguliert und chaotisch sein, wenn dein Körper krank ist und du ihm nicht physisch gibst, was er braucht. Deine Psyche, dein Geist, kann nicht von dem Medium, in dem er lebt, getrennt werden. Körper und Geist bilden eine Einheit.

Dein physischer Zustand, die Funktionsweise deiner Neurotransmitter und deines Gehirns, dein Nervensystem im ganzen Körper und das Wassernetzwerk in und zwischen deinen Zellen nehmen großen Einfluss auf deine Grundstimmung. Auf deine Neigung, positive oder negative Emotionen zu empfinden. Je gesünder und besser dein Körper funktioniert, desto mehr neigst du zu positiven Emotionen. Je krankhafter und schlechter er funktioniert, desto eher empfindest du negative Emotionen.

Dein physischer Zustand, zusammen mit deinen Weltvorstellungen, bestimmt deine Emotionale Welt und wie du dieser Ausdruck verleist.

Meine Beschreibungen hier bilden keinesfalls die absolute Wahrheit bezüglich Emotionen, es ist die beste Annäherung mit meinem aktuellen Wissensstand.

Handeln, Ziele und Emotionen

Stellen wir uns einen Mann vor, der sich einsam fühlt und ein Bedürfnis nach Zuneigung und Liebe empfindet. Deshalb vereinbart er ein Date mit jemanden am Wochenende. Er empfindet Vorfreude und Hoffnung. Das Date läuft gut, seine Bekanntschaft findet Gefallen an ihn, es entwickelt sich ein romantischer Abend mit Wein, Zärtlichkeit und Sex. Anschließend liegt er im Bett neben der Bekanntschaft und empfindet Leere und unterdrückte, formlose Wut.

Allen Handlungen liegen menschliche Bedürfnisse zugrunde. Eine Handlung verfolgt immer ein bestimmtes Ziel, welches die Befriedigung des Bedürfnisses ist. Der in die Zukunft projizierte, durch die Handlung veränderte Zustand der Welt wird als erstrebenswerter wahrgenommen, als der jetzige Zustand bzw. der Zustand, der ohne die Handlung existieren würde. Somit kann jede Handlung als Austausch (Handel) gesehen werden. Sie versucht den aktuellen Zustand durch einen auszutauschen, welcher eine höhere Zufriedenheit bietet. Dieser anstieg in Zufriedenheit kann als psychologischer Gewinn bezeichnet werden. Ein Abfall in Zufriedenheit ist ein psychologischer Verlust. Jeder Mensch versucht diesen Gewinn zu optimieren.

Handeln ist also zielgerichtet, es verfolgt immer einen Zweck, welcher die Befriedung des Bedürfnisses ist. Das ist die Hoffnung und zu einem gewissen Grad die Erwartung aus der Handlung. Es ist allerdings nicht garantiert, dass die angestrebte Veränderung nach der Handlung auch wirklich das Bedürfnis befriedigt, selbst wenn erreicht wurde, von dem man sich erhofft hat, dass es das Bedürfnis befriedigt.

So auch in unserem obigen Beispiel. Der Mann handelte aus ein Bedürfnis nach Liebe und Zuneigung. Seine Vorstellung davon, wie er das Ziel erreichen kann, war ein Abend mit einer Bekanntschaft. Sein Abend verlief wie geplant, er hat sein Ziel erreicht. Doch nachdem er die Veränderung in der Welt herbeigeführt hatte, die er sich erhofft hatte, von der er dachte, dass sie sein Bedürfnis befriedigt, stellte er fest, dass das Bedürfnis nach Liebe und Zuneigung unbefriedigt blieb. Es war sogar stärker und deutlicher als vorher. Das ist die Leere, die er verspürt. Die formlose Wut entsteht aus seinem Unverständnis und der Verzweifelung daraus, dass was er dachte führt zur Befriedigung seines Bedürfnisses dies nicht tut. Auch wenn seine Bekanntschaft gut aussah, fand er in Wirklichkeit wenige Gemeinsamkeiten mit ihr. Sie spiegelte ihm wenige seiner Werte wieder. Er hat in ihr etwas gesucht, dass sie nicht ihm nicht geben konnte.

Emotionen und Handlungen
Handlungen und Emotionen

Wird das angestrebte Ergebnis erreicht und das Bedürfnis ist befriedigt, wird Selbstwirksamkeit und positive Emotionen empfunden. Wird das Ergebnis erreicht, doch das Bedürfnis bleibt unbefriedigt, ist Wut und Hass die Folge. Wird das Ergebnis nicht erzielt und das Bedürfnis bleibt unbefriedigt, macht sich Frustration breit.

Es wird deutlich, dass negative Emotionen immer mit Handlungen zusammenhängen, die gegen die Realität verstoßen. Wenn versucht wird ein Bedürfnis zu befriedigen, das mit dem gewählten Ziel oder den gewählten Mitteln zur Zielerreichung nicht befriedigt werden kann. Die Lösung beinhaltet zwei Komponenten. Einerseits den Ursprung seiner Intentionen und Bedürfnisse verstehen. Dadurch verschwinden viele schädliche Bedürfnisse fast von selbst, da aus Verständnis Einsicht und Besserung hervorgehen kann. Die Bedürfnisse können also verändert werden. Andererseits muss die Realität kompromisslos wahrgenommen werden, um die korrekten Mittel und Ziele zu wählen, um die verbleibenden, nützlichen Bedürfnisse durch Handlungen zu befriedigen.

Groll

Groll entsteht, wenn du dich ungerecht behandelt fühlst. Wenn du nicht das bekommst, was du in deinen Augen verdienst. Nicht das erhältst, was dir zusteht. Einerseits durch Handlungen, die nur dich Betreffen. Dein Ziel oder deine gewählten Mittel zur Zielerreichung stehen im Konflikt mit der Realität, doch du akzeptierst diesen Umstand nicht, kannst oder willst ihn einfach nicht anerkennen. Groll entsteht, gerichtet gegen die Welt.

Andererseits durch Interaktionen mit anderen Menschen. Wenn du für deine Handlung in einer Interaktion im Gegenzug etwas erwartest, sei es Bloß der Dank der Person, für der du die Handlung ausführst, entsteht Groll beim Ausbleiben des Dankes bzw. deiner "gerechten Bezahlung". In all den Fällen liegt deine Motivation nicht intrinsisch in dir, sondern extern in der Person, für die du die Handlung machst. Immer wenn Dank für eine Handlung erwartet wird, ist sie problematisch, da sie nicht aus Güte, sondern aus Pflicht passiert. Keine gütige Handlung erwartet Dank, der Dank und die Belohnung liegen in der Tat selbst. Nur wenn Pflicht die Motivation ist, entsteht Groll beim ausbleiben der Bezahlung. Wenn die Handlung für dich ein Opfer darstellt.

Viele Menschen leben mit der Erwartungshaltung, dass ihnen Etwas zusteht. Das die Welt ihnen etwas schuldet. Das sie nicht schuld und nicht verantwortlich für ihren eigenen Lebensumstand sind. Diese Haltung führt zwangsläufig zu Groll, gerichtet auf die formlose Masse an Menschen, die dir nicht geben, was du verdienst. Die Organisationsstruktur unserer Gesellschaft ist dem extrem förderlich. Alle positiven Rechte, die ein Mensch sich zuschreibt, haben diesen Effekt. Ein Gesellschaftssystem basierend auf Steuern, welches fast zwangsläufig mit positiven Rechten einher geht, pflanzt ausnahmslos Groll auf Mitmenschen oder bestimmte Gruppen ein. Keiner wird zufrieden sein mit der Weise, in der seine Steuern verwendet werden, selbst wenn er überzeugt wurde, dass das Bezahlen und die Höhe dieser gerecht ist. Das ganze Konzept von Demokratie und Wahlen führt bereits dazu. Da alle über alles und jeden bestimmen, sind immer die anderen Schuld. Die, die nicht verstehen und "falsch" wählen. "Falsche" Meinungen vertreten. Es ist ein System aufgebaut auf Opfer und Sklaverei. Wie könnte dies keinen Groll auslösen?

Kenny Blöcker

Seit ich denken kann, wollte ich die Welt um mich herum verstehen. Als Life Coach kann ich meine Wissbegierde stillen und gleichzeitig die Freude am Lernen mit meinen Mitmenschen teilen.

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