Der innere Konflikt des Menschen bezieht sich auf seine Identität. Menschen sind naturgemäß konfliktbehaftete Wesen. Wir schätzen Ehrlichkeit, harte Arbeit und Loyalität, dennoch empfinden wir Impulse nach dem Unverdienten. Impulse, die uns dazu drängen zu klauen, versprechen zu brechen und gegen das eigene bessere Wissen zu verstoßen. Dieser Konflikt führt zu Verwirrung und Unsicherheit, wodurch der einfache Ausweg sehr attraktiv erscheinen kann, anstatt die Arbeit und Zeit zu investieren, seine eigene, unabhängige Identität zu entwickeln.
Selbstlosigkeit
Selbstlos zu sein bedeutet, wie das Wort schon sagt, kein Selbst zu besitzen. In anderen Worten, eine externe Identität anzunehmen. Nicht selber für sich zu denken, keine eigenen Standards zu haben, keine eigenen Werte besitzen, sondern die, anderer Anzunehmen. Denn solange du lebst und handelst, also inneren Werten Ausdruck verleihst, bilden deine Taten Werte ab. Sie zielen darauf ab, irgendetwas zu erhalten. Einen wünschenswerteren Zustand zu erschaffen, als der, der vor der Handlung existierte. Das abhanden sein des Selbst hinterlässt eine Leere, die mit der externen Identität gefüllt wird. Das drückt sich im gesamten Wesen aus.
- Es wird lieber anderen gefallen, als zu sich gestanden.
- Es wird keine eigene Meinung besessen, sondern nur leere Phrasen und Worte wiederholt, dessen Bedeutung man sich kaum bewusst ist. Beispiele sind: "Ich halte unsere Demokratie für nicht selbstverständlich und fragil", "Die Würde des Menschen ist unantastbar", "Wer nicht Wählt hat auch kein Recht sich zu beschweren", "Geld ist die Wurzel allen Übels", "Menschen müssen sich etwas höheren zugehörig fühlen".
- Statt sein Leben und Erfolg zu zelebrieren, wird das Verlieren des Selbst in Drogen, Menschenmassen und Lauter Musik gesucht, was dann als "feiern" bezeichnet wird.
- Es wird Statussymbolen und falscher Macht nachgejagt und akkumuliert anstatt den seelischen Werten Vorrang zu gewähren.
- Es wird nicht gedacht, sondern nur nachgedacht.
Ein mystischer, nebulöser Zustand der geistigen Unklarheit und ein Unverständnis von der Welt. Das Leben im Chaos.
Es findet ein psychologischer Handel statt. Unabhängigkeit und Selbstachtung wird getauscht gegen die Sicherheit einer Gruppenzugehörigkeit. Als einer unter vielen haftet Schuld und Schande nicht am Einzelnen. Der innere Konflikt wird aufgelöst in einer höheren Entität, die dem Leben Struktur verleiht. Dies kann eine Religion, ein Staat, eine Ideologie oder eine andere Form von Vaterfigur sein. Den Handel einzugehen wird umso leichter, desto mehr Menschen im Umfeld das selbe tun.
Spirituelle Unabhängigkeit
Ein selbstloser Mensch ist spirituell (psychisch, seelisch) abhängig von dem, in dem seine Identität untergeht. Im Gegenzug dazu ist spirituelle Unabhängigkeit das Ergebnis eines entwickelten Selbst. Einer ausgeprägten eigenen Identität, die nach eigenen Standards bewertet und eigene Ziele verfolgt, die im Einklang mit diesen Standards stehen. Man weiß, wer man ist, warum man tut, was man tut und denkt, was man denkt. Dieser Zustand beschreibt mentale Klarheit. Es gibt weiterhin Ungewissheiten, diese sind nie gänzlich zu eliminieren. Doch sie sind eher entzückend und wecken Erkundungsdrang und Neugier, als das sie bewusst ignoriert und verdrängt werden aus Angst vor dem Terror, der in ihnen lauert, wie es bei einem nebulösen Geist der Fall ist.
Spirituelle Unabhängig ist ein Zustand und ein Prozess. Das innere Wesen eines Menschen ist wie alles in der Welt im konstanten Wandel durch äußere und innere Einflüsse, welche unaufhörlich integriert werden müssen in die eigene Identität. Es wird immer Phasen von höherer und geringerer Ungewissheit und mehr und weniger internen Chaos geben. Temporäre Unklarheit ist normal.
Physische Auswirkungen
Die Wahl, den Handel mit der höheren Entität einzugehen und den einfachen Ausweg aus dem inneren Konflikt zu wählen, kommt nicht nur mit spirituellen, sondern auch mit physischen Konsequenzen. Die weltlichen Abbilder der höheren Entität, die Priester, Könige, Präsidenten und Politiker der Religionen und Staaten verlangen physischen Tribut und etablieren reale Einschränkungen in die eigene Freiheit. Das ist der gezahlte Preis für die erhaltene Sicherheit und die abgegeben Verantwortung.
Das Resultat ist ein gemeinsam aufgeführtes Theaterstück, welches 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche, 365 Tage im Jahr unaufhörlich gespielt wird. Die Herrscher hören nicht auf zu spielen, da sie süchtig nach den Vorzügen der Macht sind. Die Beherrschten spielen weiter, um die psychologischen Kosten des Eingestehens der Selbstlosigkeit und den damit verbundenen Zusammenbruch der Identität zu entkommen. Eine beidseitig parasitäre Beziehung mit zerstörerischen Konsequenzen.
