Philosophie

Gesellschaftssysteme

09. September 2025

Jedes Gesellschaftssystem ist fundamental ein System von Besitzrechten. Besitz ist definiert durch Kontrolle. Oder eher: Das Recht andere die Nutzung von Dingen zu verweigern. Das System kodifiziert die Frage: Wer besitzt was? Über was übt wer Kontrolle aus? Wer darf anderen die Nutzung von welchen Dingen verweigern?

Der Sinn eines solchen Systems ist das Vermeiden von Konflikten um umstreitbare Ressourcen. Im rechtlichen Sinn ist Besitz bzw. Besitzrechte definiert als Beziehung zwischen menschlichen Akteuren, Personen, mit Bezug auf bestimmte Ressourcen.

Es hat nur eine Anwendung auf Sachen, um die sich gestritten werden kann, die also umstreitbar sind. Die entweder von einer Person oder von einer Anderen kontrolliert werden können, jedoch nicht von beiden gleichzeitig und gleichermaßen. Damit ist ein Körper, ein Haus, ein Stück Land, ein Apfel oder eine vertragliche Vereinbarung Besitz. Wissen, Produktionsmethoden oder Informationen bilden keinen Besitz. Die Nutzung einer mathematischen Formel des Einen hindert den Anderen nicht daran, diese ebenfalls zur Lösung eines Problems zu verwenden. Das Essen eines Apfel des Einen verhindert allerdings das Essen eines Anderen des gleichen Apfels. Das Zuweisen von Besitz über nicht umstrittene, nicht knappe Dinge erschafft Konflikt, wo keiner existieren muss. Es steht also dem Sinn des Konzeptes von Besitz gegenüber und ist nur mit Aggression gegen eigentlichen Besitz durchsetzbar. Wenn ich eine Formel nicht nutzen darf, weil eine Person sie als sein Besitz, sein Recht, andere von dessen Benutzung auszuschließen, ansieht, dann kann er dies nur durchsetzen, indem er mich gewaltsam daran hindert.

Gewalt oder Aggression ist definiert durch das Verletzen eines Rechts, und da jedes Recht ein Besitzrecht ist, ist Aggression durch die Zuweisung von Besitz definiert.

Durch das Zuweisen eines Besitzers zu jeder Ressource, öffentlich und sichtbar signalisiert und abgegrenzt, sodass nicht-Besitzer Verletzungen unterlassen können, wird die konfliktfreie Nutzung dieser ermöglicht. Verschiedene Gesellschaftssysteme befürworten unterschiedliche Besitzzuweisungsregeln. Es gibt fundamental zwei verschiedene Zuweisungsoptionen: Selbst-Besitz und Anderer-Besitz. Entweder besitzt jeder Mensch seinen eigenen Körper, oder eine andere Person oder Gruppe von Personen besitzt diesen. Die Grundlage der gewählten Regeln sind bestimmte Grundnormen, die durch das System aufrecht gehalten werden sollen. Diese sind in einer freien Gesellschaft: Gerechtigkeit, Frieden, Wohlstand, Kooperation, Konfliktvermeidung und Zivilisation. Selbst-Besitz ist die einzige Zuweisungsregel, die kompatibel mit diesen Grundnormen ist.

Objektive Verbindung

Das Zuweisen von Besitz über eine bestimmte Ressource darf nicht zufällig, willkürlich, parteiisch oder partikularistisch (Vorzug von Einzelinteressen) sein, wenn es der Funktion der Konfliktvermeidung dienen soll. In der Praxis bedeutet dies: Besitzrecht muss streitenden Parteien zugewiesen werden basierend auf der Existenz einer objektiven, intersubjektiv feststellbaren Verbindung zwischen Besitzer und Ressource.

Besitz des eigenen Körpers

Im Falle des eigenen Körpers ist diese Verbindung die besondere Beziehung zwischen einer Person und seinem Körper. Der Fakt, dass er direkte und unmittelbare Kontrolle über seinen Körper ausüben kann und in gewisser Weise er sein Körper und sein Körper er ist. Hier finden wir eine ausreichende objektive Verbindung, die den Anspruch einer Person über die Ansprüche Dritter auf seinen eigenen Körper feststellt. Weiterhin kann eine Person, während sie den Körper eines Anderen beanspruchen möchte, nicht widerspruchsfrei diese objektive Verbindung leugnen, da sie notwendigerweise Gebrauch der Selben macht. Wer andere Körper besitzen möchte, setzt Besitz (Kontrolle) in seinen eigenen Körper voraus. Sie legt also eine gewisse Signifikanz in diese objektive Verbindung bei sich selbst, während sie anderen diese abspricht.

Besitz von zuvor besitzerlosen Ressourcen

Die einzige objektive Verbindung zwischen einer Person und einer zuvor besitzerlosen Ressource ist das Prinzip der ersten Nutzung. Wer eine umstreitbare Sache zuerst benutzt hat, war der Erste, der einen Wert in ihr gesehen hat. Der die Sache für nützlich befunden hat und ein Ziel verfolgt hat, für das diese Sache ein Mittel wurde. Auf diese Weise eignet sich eine Person Dinge aus der Natur an.

Jede andere Verbindung ist nicht objektiv und basiert entweder auf verbale Bestimmung oder auf einen Prinzip, dass gegen die objektive früher-später Unterscheidung verstößt. Ohne der früher-später Unterscheidung ist es unmöglich Besitzrechte zuzuweisen, die eigentliche Rechte etablieren und Konflikt vermeidbar macht. Besitzansprüche können auch kaum aus einer verbalen Bestimmung hervorgehen, da jede beliebige Person beliebig viele Besitzansprüche aussprechen kann. Dies wäre der Konfliktvermeidung ebenfalls nicht dienlich.

Es wird deutlich, dass der Besitz eines eigenen Körpers dem aneignen von weiteren Besitz vorausgehen muss, da dieser benutzt werden muss, um die objektive Verbindung der ersten Nutzung zu etablieren.

Totalitäre Gesellschaftssysteme

Alle totalitären Systeme basieren fundamental auf der Versklavung und Ausbeutung von produktiven Menschen durch parasitär lebenden Menschen. Informiert durch korrekter ökonomischer Theorie wird dies deutlich. Da jeder Mensch zum Überleben konsumieren muss, ist die Notwendigkeit der Produktion für das Überleben in der Natur verankert, da dieser dem Konsum vorausgehen muss. Nun kann ein Mensch seinen Konsum durch die eigene Produktion decken, oder eben gewaltsam oder täuschend sich die Früchte der produktiven Handlungen anderer aneignen. Ein Gesellschaftssystem, dass die parasitäre Lebensweise institutionalisiert und kodifiziert kann als totalitäres System bezeichnet werden. Anders ausgedrückt: Ein totalitäres System weist einer Person oder Gruppe (Staat) anteilige oder vollständige Besitzrechte über die Körper und Ressourcen anderer zu.

In der Regel lassen sich Menschen nicht freiwillig von Parasiten befallen, weshalb diese Systeme nur mit der Androhung und Anwendung von Gewalt in der Praxis umzusetzen sind. Am Ende des Argumentes vom Despoten, dem Gewaltherrscher, spricht immer eine Waffe. "Bezahle deine Steuern, oder du landest im Gefängnis und ich nehme mir deine Steuern mit Gewalt." In solchen Systemen werden die Vielen immer von den Wenigen regiert und versklavt. Da das Mengenverhältnis von Sklave zu Sklaventreiber in der Regel extrem hoch ist, dutzende Millionen zu wenige (Zehn)tausend, muss der Sklave dazu gebracht werden, das totalitäre Gesellschaftssystem als gerecht oder unausweichlich anzusehen. Der Kampf und die Versklavung findet daher primär auf psychologischer und biologischer Ebene in den Gedanken und Zellen der Menschen statt. Dieser Weg ist auch ökonomisch günstiger und psychologisch einfacher für die Herrscher. Physische Gewalt ist mit höheren Kosten und realen Gefahren verbunden. Bezeichnet wird dieser Krieg zwischen Parasit und Wirt oftmals als Informationskrieg, Krieg der 5. Generation, Unrestriktierter Krieg oder Psychologischer Krieg. Die Wortwahl "Krieg" mag vielleicht überspitzt erscheinen, doch das ist nur der Fall wenn der Wirt, du, noch nicht begriffen hat, dass er sich im Krieg befindet. Denn der Parasit kennt seine Natur und geht dieser nach. Dabei spielt es keine Rolle ob es ihm bewusst ist oder er nur unbewusst seine biologischen und psychischen parasitären Programme im Hintergrund, im Unterbewusstsein, laufen hat.

Wenn eine Partei noch nicht begriffen hat, dass sie sich im Krieg befindet, ist der Krieg bereits verloren.

Keiner ist mehr Sklave, als derjenige, der überzeugt wurde, keiner zu sein.

Kenny Blöcker

Seit ich denken kann, wollte ich die Welt um mich herum verstehen. Als Life Coach kann ich meine Wissbegierde stillen und gleichzeitig die Freude am Lernen mit meinen Mitmenschen teilen.

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