Ökonomie

Konjunkturzyklen

09. September 2025

Wer in der Schule oder in der Universität aufgepasst hat, wird gelernt haben, dass Konjunkturzyklen - Aufschwung, Boom, Abschwung und Depression - ein ganz natürlicher, unausweichlicher Teil der Volkswirtschaft sind. Alles was wir Menschen tun können ist, mit angemessener "Fiskalpolitik" die unerwünschten Phasen so angenehm wie möglich zu machen. Doch gibt es wirklich ein Naturgesetz, das besagt, dass es Konjunkturzyklen geben muss? Natürlich nicht. Es gibt eine ganz simple Erklärung, wie diese zustande kommen, und einen ganz einfachen Weg, wie sie umgangen werden können.

Investition in einem freien Markt

In einer uneingeschränkten, freien Wirtschaft, die frei von staatlichen Interventionen ist, produziert und konsumiert jeder was er möchte, wobei Produktion dem Konsum vorausgeht. Wenn mehr produziert als konsumiert wird, kann die Differenz gespart und in gesteigerte Produktion reinvestiert werden. Auf diese Weise wird Kapital aufgebaut. Dabei fungiert Geld als Einheit, in der Gewinn und Verlust gemessen wird. Du bezahlst für alle Güter (einschließlich Arbeitskräfte, Maschinen, etc.), welche du in deinem Produktionsprozess benutzt, um diese in ein anderes Gut zu transformieren, welches dann vom Kunden mit Geld bezahlt wird. Gibst du weniger Geld aus, als du am Ende bekommst, machst du Gewinn, ansonsten machst du Verlust. Das Verhältnis von Kosten zu Umsatz zeigt dir deine Rentabilität.

Nehmen wir an, du hast über ein Produktionsjahr Kosten in Höhe von 100.000 € und einen Umsatz von 110.000 €. Du machst also 10 % Gewinn. Nun kalkulierst nicht nur du deine Rentabilität, sondern jeder anderer Unternehmer auch. So ergeben sich verschiedene Rentabilitäten von verschiedenen Unternehmen in verschiedenen Geschäftszweigen. Ich als Investor werde mein Geld in dem Geschäftszweig Investieren, in dem ich die größte Rentabilität unter Einbezug meiner Risikobereitschaft und der Menge meines Kapitals sehe. Geld fließt also in die Geschäftszweige, die am rentabelsten sind. Das dort hin fließende Kapital sorgt für mehr Konkurrenz in dem Geschäftszweig, gesteigerte Produktion, effizientere Prozesse und somit über Zeit günstigere Preise und engere Margen. Je länger dieser Prozess andauert, desto mehr gleichen sich die Margen, also die Rentabilität, aller Geschäftszweige einander an. Natürlich entstehen auch neue Geschäftszweige durch neue Ideen, wissenschaftlichen und technischen Fortschritt oder einfach sich ändernde Kundeninteressen. Der Prozess beginnt von neuen in diesen neu sprießenden Industrien.

Entscheidend ist, dass jeder Investor sich vor dem Investment Gedanken macht, ob es sich lohnt, zu investieren, basierend auf der eigenen Zeitpräferenz. Die Zeitpräferenz gibt an, wie sehr jemand ein Gut (einschließlich einer Menge Geld) heute dem gleichen Gut morgen (oder irgendwann anders in der Zukunft) vorzieht. Damit ein Investor bereit ist, sein Kapital, sein Geld, zu investieren, muss der Gewinn, den er erwartet, höher bewertet werden, als der Wert, dem er dem liquiden Geld beirechnet. Dies ist eine ganz persönliche Einschätzung. Nehmen wir an ich habe 100 €. Nun kann ich das Geld zu einem Zins, dem erwarteten Gewinn, von 10% pro Jahr investieren. Ob ich das Investment eingehe, hängt davon ab, ob ich 100 € in der Gegenwart höher bewerte als 110 € in einem Jahr. Wenn ja, investiere ich nicht. Wenn nein, investiere ich. Genau die gleiche Frage stellen sich alle potenziellen Investoren. Der vorherrschende Zins im Markt ist also abhängig von der Zeitpräferenz aller Marktteilnehmer. Darüber kann der Unternehmer kalkulieren, ob sich ein geplanter Produktionsprozess lohnen wird oder nicht. Findet er Investoren (einschließlich sich selbst), deren Zeitpräferenz mit dem zu erwartenden Gewinn seines Prozesses einhergeht, wird er den Produktionsprozess starten. Es beginnen also nur neue Produktionsprozesse, die der Zeitpräferenz und dem angesparten Kapital von Investoren entsprechen.

Eingriff des Staates

Nun da wir wissen, wie das Spiel in einem freien Markt abläuft, können wir analysieren, was der staatliche, gewaltsame Eingriff in diesen Prozess für Folgen hat.

Der Zinssatz auf dem Markt (welcher für unterschiedliche Geschäftszweige und Unternehmer unterschiedlich sein kann, je nach wahrgenommenen Risiko) informiert den Unternehmer über die Validität seiner Unternehmung. Jetzt kann allerdings die Zentralbank vergünstigte Kredite an Banken vergeben, subventioniert vom Steuerzahler. Dies senkt den vorherrschenden Zinssatz, zu dem sich Unternehmer Kapital leihen können, herab. Er liegt jetzt unterhalb von dem, was der freie Markt basierend auf den Präferenzen aller Individuen bestimmt hätte.

Aufschwung

Nun können sich Unternehmer statt zu einem Zinssatz von 10% pro Jahr Geld für 5% pro Jahr leihen. Damit ändert sich die Kalkulation des Unternehmers. Seine Kosten erscheinen ihm geringer. Bei einem Kredit von 100.000 € bezahlt er nur noch 5.000 € pro Jahr an die Bank statt 10.000 €. Sein Geschäft wirkt also profitabler, als es eigentlich wäre. Somit findet er Investoren für Produktionsprozesse, die vorher nicht profitabel genug wären, um Investoren ihr Kapital zu entlocken. Das Resultat sind mehr neue Unternehmen und mehr expandierende existierende Unternehmen. Das ist der Beginn des Aufschwungs.

Boom

Da sich allerdings die Menge an Kapital, an angesparten, produktiven Gütern, nicht verändert hat, konkurrieren jetzt mehr Unternehmer um die gleiche Menge an Ressourcen. Dadurch werden die Ressourcen im Preis steigen. Damit auch der Preis von Arbeitskraft. Damit steigen Löhne an. Menschen bekommen Gehaltserhöhungen und fühlen sich wohlhabender. Sie steigern somit auch ihren Konsum. Der erhöhte Konsum sorgt für mehr Gewinne der Unternehmen. Mehr Gewinne sorgen für mehr Boni für das Management, mehr Gehalt für Mitarbeiter und mehr Dividenden von Aktien. Mehr Dividenden und mehr Gewinne sorgen für höhere Aktienpreise. Menschen fühlen sich noch wohlhabender und geben noch mehr Geld aus. Es wird noch mehr konsumiert und investiert. Plötzlich will jeder seinen Teil von den exorbitanten Gewinnen im Markt. Die Menschen werden von Euphorie gepackt, die goldenen Zeiten scheinen ewig zu währen. Investoren sind bereit, immer obskurere und Risiko behaftete Unternehmungen zu finanzieren. Alles scheint eine sichere Sache zu sein. „In diesem Markt kann man gar nicht verlieren!“ Die weiteren neuen Unternehmungen heizen den Prozess nur noch mehr an. Menschen sind von Gier gepackt. Wir befinden uns mitten in einem Boom.

Abschwung

Doch früher oder später holt die Realität die Menschen ein. Unzählige Unternehmungen wurden gestartet, die nichts von Substanz produzieren, die niemals ohne das billige, gestohlene Geld des Staates gestartet worden wären. Dennoch wurden produktive Mittel, Kapital, für diese Produktionsprozesse aufgewendet. Es wurde also mehr konsumiert als produziert. Der Boom speist sich von in der Vergangenheit aufgebauten Kapital, welches sukzessive aufgebraucht und zerstört wird. Es wurden Kredite aufgenommen, die niemals zurückgezahlt werden können, da mit dem Geld nichts erwirtschaftet wurde. Der Verlust bleibt bei irgendwem hängen. Unternehmen nach Unternehmen geht pleite, Mitarbeiter werden entlassen, Fabriken werden geschlossen, Produktion wird zurückgefahren. Aktienkurse beginnen zu fallen, da Menschen ihre Gewinne aus dem Markt ziehen müssen, um den Konsum und den neuen, höheren Lebensstandard aufrecht halten zu können. Die Gier und die Euphorie schwinden und werden durch Zweifel ersetzt. Die fallenden Kurse sorgen für weniger Investitionsbereitschaft, weniger Boni und weniger Dividende. Der gleiche Prozess, der im Aufschwung und Boom so magisch alle Reich gemacht hat, spielt sich nun umgekehrt ab und alle fühlen sich ärmer und ärmer. Wir befinden uns in einem Abschwung.

Depression

Die logische Konsequenz ist, dass alle unproduktiven Unternehmen, die nicht essenzielle Güter und Dienstleistungen zu profitablen Konditionen produzieren können, pleitegehen. Viele der Firmen, die niemals einen Investor gefunden hätten, gäbe es nicht das billige Geld des Staates, müssen jetzt der Realität ins Auge sehen. Der Markt muss sich durch einen schmerzhaften und müßigen Prozess von diesen befreien. Doch das Kapital, welches in all diesen Unternehmungen investiert wurde, ist unwiderruflich verloren und zerstört worden. Wir sehen leerstehende Fabriken und Büros, Menschen, die auf der Straße oder in Zelten leben müssen, heruntergekommene Gegenden, brüchige Gebäude, kaputte Straßen und soziale Unruhen. So macht sich das zerstörte Kapital bemerkbar. Es gibt schlicht und ergreifend nicht mehr genügend Kapital, um alles instand zu halten. Alles zerfällt von alleine, wenn es nicht stetig und dauerhaft unter Einsatz von Kapital erneuert und repariert wird. Wir befinden uns in einer Depression.

Und alles nur, weil der Staat die Wirtschaft ankurbeln wollte. Herzlichen Glückwunsch, es wurde bekommen, was sich verdient wurde. Die Realität hat das unausweichlich gerechte Urteil gesprochen.

Das ist natürlich aus ökonomischer Sicht keine perfekte, technische Ausarbeitung der Thematik, doch sie bringt den Kern des Problems korrekt zum Ausdruck.

Kenny Blöcker

Seit ich denken kann, wollte ich die Welt um mich herum verstehen. Als Life Coach kann ich meine Wissbegierde stillen und gleichzeitig die Freude am Lernen mit meinen Mitmenschen teilen.

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